Der „Adler“ ist zurück

Der „Adler“ ist zurück

Ursprünglich war „Der Adler“ die erste Lokomotive, die am 7. Dezember 1835 Eisenbahnwagons mit rund 230 Passagieren von Nürnberg nach Fürth beförderte. Jetzt stellt sich die Frage, was das mit Karneval und dem Kappessonntagzug zu tun hat. Hier kommt die hoffentlich logische Erklärung.

Für die letzte Session entstand schon die Idee sowohl einen neuen Zugleiterwagen als auch einen neuen Prinzenwagen zu bauen. Auf Grund eines Trauerfalls in der Bautruppe konnte aber nur der Prinzenwagen fertiggestellt werden und der Zugleiterwagen musste verschoben werden. Für die Session 2017/2018 soll das nun in Angriff genommen werden, aber wie sollte der aussehen? Was bot sich bei einem Zugleiterwagen idealerweise an, richtig, eine Lokomotive und zwar eine alte dampfbetriebene Maschine. Und da gab es nur die Maschine, die schon 10 Jahre bevor sich der erste Neusser Carnevals-Verein gründete den Betrieb aufnahm.

Der Herausforderung diesen Oldtimer nachzubauen stellen sich nun Karl-Heinz Geißler (Hallenwart und Teamleader), Jürgen Müller (sein Stellvertreter), Franz Sandscheiper (Edelreserve Rot-Gelb) und Wilfried Jasper (NKG Blau Rot Gold). Aus langjähriger Erfahrung rechnen sie mit rund 800 Stunden Arbeitszeit, damit sie im Laufe des Novembers fertig werden. Im Moment arbeiten sie an 3 Tagen in der Woche wobei die Rentner tagsüber tätig sind und die noch Berufstätigen machen nach Feierabend weiter. Sollten 3 Arbeitstage in der Woche nicht reichen, wird ein 4. Tag eingeplant. Wenn man im Laufe November nicht fertig wird, steigt zwar auch der Druck aber vor allem sinken die Temperaturen in der Wagenbauhalle im „Theater am Schlachthof“, denn der Raum kann bedauerlicherweise nicht beheizt werden.

Um den Zugleiterwagen in eine Lokomotive aus dem 19. Jahrhundert zu verwandeln ist neben dem großen Arbeitspensum und dem damit verbundenen Engagement auch eine Menge Material erforderlich. Um so ein Ungetüm zu bauen sind 70 Spanplatten, 30 Hartfaserplatten, ca. 200 Stahlwinkel, mehr als 10.000 Schrauben, 10 Rollen Tapete, 10 Bund Dachlatten, Styropor, Farben, Leim und Kleister erforderlich. Wenn die Arbeiten dann abgeschlossen sind, wird der Zugleiterwagen sehr viel Ähnlichkeit mit dem Original haben. Die Adler mit Kohletender wog ca. 14 Tonnen und erreichte mit 6 bis 9 angehängten Wagen eine Geschwindigkeit von etwa 30 km/Std. Das neue Gefährt an der Spitze des Kappessonntagzuges wird hoffentlich wesentlich leichter und deutlich langsamer sein, wird aber Rauch wie eine echte Lok speien.

Der ursprüngliche Zug hatte 3 Klassen. Die erste Klasse mit verglasten Fenstern, Polstersitzen und vergoldeten Türklinken. Die 2. Klasse war mit Vorhängen statt Fenstern und einem Dach aus Segeltuch ausgerüstet. Die 3. Klasse war offen und hatte einfache Sitzbänke. So gesehen wird es beim Umzug sehr demokratisch zugehen, denn der Wagen der jetzt gebaut wird, kennt nur die 3. Klasse – oben offen und vielleicht ein paar Sitzplätze.

Da zum Redaktionsschluss des Kappesjournals der Wagen ja noch im Bau ist, sollen die beigefügten Entwürfe und Bilder des Originals einen ersten Eindruck von dem geben, was da zu erwarten ist.

Die Karnevalisten und die Zuschauer am Straßenrand können sich also auf ein tolles Gefährt direkt an der Spitze des Zuges freuen und wir alle können froh sein, dass es so engagierte Baumeister gibt wie Kalli Geißler und seine Truppe.

KA Neuss Redaktion
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