Karneval

Von der Kappenfahrt zum Kappessonntagszug
Die Geschichte des Neusser Karnevals

Von Dr. Max Tauch

Der Name „Kappenfahrt“ ist heute nur noch weni­gen ein Begriff. Nach dem 2. Weltkrieg kam er noch einmal zu Ehren. Damals, vor der Währungsreform, wagte man sich in Köln angesichts der gewaltigen Zerstörungen und der Not der Zeit noch nicht wieder an die Durchführung eines Ro­senmontagszuges und griff auf die alte Form des närrischen Umzugs mit Kutschen zurück.

In Neuss besaß diese närrische Tradition eine lange Ge­schichte. Sie ist heute vergessen. Wie in den Jahren zuvor, hatte der „Neußer Carnevals-Verein“ auch vor genau 165 Jahren zur Teilnahme an einem Kappenzug aufgerufen.

In ei­ner Anzeige im „Neußer Intelligenzblatt“ vom 18. Februar 1846 heisst es hierzu: „Diejenigen Herren, welche den bevor­stehenden Kappenzug als Reiter mitzumachen beabsichtigen, werden eingeladen,. sich heute abend präcise 7½ Uhr bei Herrn L. Nauen zu versammeln“.

Wenige Tage später ruft das „Decorations- und Zug-Comite“ die Reiter dazu auf, sich am Fastnachtssonntagmorgen eine halbe Stunde vor der „Spezi­al-Revue“ bei Kux zu versammeln. An die „treuen Närrinen“ ergeht der Aufruf des „Hanswurst“, zur Ausschmückung sei­nes Galawagens Blumen und Bänder zu stiften.

Es muß wohl ziemlich übermütig zugegangen sein, denn wenig später, am 25. Februar 1846, erscheint eine Verlustanzeige: „Bei der Kappenfahrt hat ein Flabes einen Hut im einem Wa­gen liegenlassen. Sed e so god und brengt ehm nem Schwan“. Damit war wohl gemeint die stadtbekannte Gaststätte Schwan an der Michaelstraße.

Das Feiern hat eben eine lange Tradition in Neuss – nicht nur am Schützenfest.

X