Über uns

von Michael Ritters

Wer als Narr zu uns will treten,
Der muss sein ein witz’ger Kopf
Denn sonst heißt es gleich bei allen
Er ist ein dummer Tropf

So 1862 die ersten Zeilen eines Marsches des Carnevals-Vereins zu Neuß. Der Karneval in Neuss kann auf eine lan­ge Geschichte zurückblicken. Es passierte viel, es fehlte aber ei­nigen sehr engagierten Karneva­listen die ordnende Hand. Ende der 1960 Jahre galt es eine Entscheidung zu treffen. Rund um den späteren 1. Vorsitzen­den Peter Anton Großmann, da­mals auch Vorsitzender der NKG Blaue Funken e.V. 1954, wurde zusammen mit anderen Karne­valisten aus den Gesellschaften Grün-Weiss-Gelb e.V. 1950 und Blau-Rot-Gold e.V. 1960 nach ei­ner Lösung gesucht. So wurde am 18. Juni 1970 der Karnevalsausschuss der Stadt Neuss e.V. gegründet. Das kar­nevalistische Brauchtum sollte effektiv gefördert werden. Be­reits damals wurde es als wichtig empfunden, sich untereinander zu vernetzen. Das Neusser Prinzenpaar wird unterstützt und begleitet und der Kappes­sonntagszug organisiert. Mittlerweile gehören 18 Vereine dem KA an. 40 Jahre KA ist kein karnevalistisches Jubiläum, aber der Start für die Dokumentation der Geschichte des Karnevalaus­schusses. Leider sind viele Unterlagen aus der Gründerzeit verloren gegangen. Jetzt wird sukzessive mit den Zeitzeugen die Vergangenheit aufgearbeitet. So entsteht ein lebendiges Werk, das bis zum 44 jährigen Jubiläum fertig sein soll.

Was berichten die ersten Präsidiumsmitglieder von 1970?

 

Treffen mit Egon Radowski
Prinz Knutschfutt, de hat Instinkt

 

In den Unterlagen, die dem Karnevalsausschuss zur Verfü­gung stehen, ist immer wieder der Name Egon Radowski zu finden. Das ist der Grund, weshalb wir uns mit ihm un­terhalten, um gerade den jüngeren Karnevalisten Einblick in frühere Jahre zu gewähren.

Deshalb haben wir ein Interview mit Egon Radowski und sei­ner Frau Marianne geführt.

 

Herr Radowski, als erster Kassierer des KA gehören Sie zu den Architekten des KA. Welche Gründe gab es da­mals, den KA zu gründen?

Nachdem ich in den 60er Jahren nach Neuss kam, merkte ich, dass der Karneval eher ein Schattendasein führte. Das wollte ich ändern. Grundvoraussetzung war dafür, dass der Umzug auf eine höhere Basis gesetzt wird.

Früher wurden wenige Wagen in der ehemaligen Kerzen­fabrik am Obertor gebaut. Nachdem diese nicht mehr zur Verfügung stand, zogen wir in die ehemalige Schwefelfabrik im Hafen um. Hier kannten wir fast jede Ratte und hatten ein nettes Nebeneinander.

 

Wie haben sie damals das Amt gemeistert?

 

Frau Radowski: Da mein Mann eine unsaubere Handschrift hat, habe ich meinen Mann unterstützt und die Unterlagen geführt.

Dazu Egon: Meine Frau stand immer an meiner Seite und war der vermittelnde Ausgleich hinter den Kulissen. Manchmal bin ich zu direkt und impulsiv.

 

Wie hat sich der KA im Laufe der Jahre, aus Ihrer Beobachtung auch als langjähriger Vorsitzender der Blauen Funken entwickelt?

 

Die wirtschaftlichen Interessen wurden immer wichtiger für den KA. Der finanzi­elle Grundstock zur Prinzenproklamation musste geschaffen werden. Das heißt, wir mussten Sponsoren suchen. Auch für den Umzug. Hier hat uns damals die IHC mit den Traktoren vor­bildlich unterstützt.

Die Verantwortung hat sich erhöht und man steht heute we­sentlich stärker in der Öffentlichkeit.

Ein wichtiger Motor war sicherlich auch Erhard Schiffers, der viele Türen geöffnet und den KA sehr gestärkt hat.

 

Was haben Sie in Ihrem Amt als Kassierer im Amt Ku­rioses erlebt?

 

Lustig und nett war es immer. In meiner Funktion hatte ich für den Umzug immer Bargeld zur Bezah­lung der Musikgruppen dabei. Damals wäre ich ein lohnendes Ziel für Ganoven gewesen. Allerdings ha­ben viele Gruppen vor der Bezahlung den Heimweg angetreten, da diese wussten, dass auf uns Verlass war. Dem Geld musste niemand hinterher laufen.

Die Genehmigungen für die Umzüge wurden damals durch die Verleihung von Orden sehr erleichtert. Zuständig war damals noch die andere Rheinseite.

Die ersten zwei Jahre hatten wir für den Kappes­sonntagszug keine Versicherung. Das war halt da­mals so.

 

In der Session 1975/76 waren Sie mit Ihrer Prinzessin Marianne an der Spitze des Neusser Karnevals. Wo liegt aus Ihrer Sicht die Zukunft des Karnevals in Neuss?

 

Der Karneval in Neuss sollte weiterhin ein bürgerliches Volksfest bleiben. Nicht abgehoben, sondern für jedermann erlebbar. Es ist schwer, den Spagat zwischen Kommerz und Ehrenamt zu finden. Die Arbeit wird immer anspruchsvoller und verlangt einen immer höheren Einsatz.

 

Herr Egon Radowski ist stolz auf seine Arbeit für den Neusser Kar­neval – nach Sichtung der Unterlagen ist er das auch zu Recht.

Herr Radowski, vielen Dank für das Gespräch.

Treffen mit Ernst Schlaak
Ernst Schlaak – seit über 50 Jahren aktiv im Karneval

 

Ernst Schlaak war der erste Schriftführer des Karnevalsaus­schusses. Zum Karneval ist er durch seinen Onkel Stefan Sievering gelangt. Dieser war Tanzoffizier bei der Gesellschaft Grün-Weiß-Gelb. 1956 wurde Ernst Schlaak dann für zwei Jahre Tanzoffizier und lernte dabei seine Frau kennen. Da­nach, im Jahr 1958 begann er seine bis heute andauernde aktive Laufbahn bei der Gesellschaft.

In diesen 52 Jahren war er Schriftführer, mindestens 20 Jahre Geschäftsführer und von 1990 bis 2009 der 1. Vorsitzen­de der Gesellschaft Grün-Weiss-Gelb. Jetzt ist er Ehren­vorsitzender und gestaltet das erfolg­reiche Programm der Senioren- sowie der Damensitzung. Den Quirinusstern hat er 1980 erhalten.

 

Herr Schlaak, wie war es damals, gab es schon einen Umzug vor der Gründung des Karnevalsausschusses?

 

In der Neusser Innenstadt wurde 1970 bereits ein Umzug durchgeführt. Mit einem Wagen und einer Kapelle zo­gen wir von der Oberstraße bis zum Further Hof. Statt mit Kamelle wurden die Zuschauer mit einem lautstarken Helau begrüßt. Nachdem wir uns ge­stärkt hatten, haben wir festge­stellt, dass unser Wagen einen Reifenschaden hat.

 

Wurde der Umzug damals bereits Kappessonntagszug genannt?

 

Einen Namen hatten wir noch nicht. Ob der Umzug am Sonntag oder Montag war kann ich gar nicht mehr sagen.

 

Gab es damals ein Prinzenpaar?

 

Im Jahr 1970 war mein Bruder Manfred Prinz. Seine Nove­sia Hannelore hat er erst kurz vor der Proklamation kennen gelernt.

 

Haben vor 1970 gar keine Umzöge stattgefunden?

 

Auf der Neusser Fürth gab es vor 1970 bereits Umzüge. Die Aktivitäten sind aber leider heute, auch bedingt durch den Wegfall der Nordstadthalle, im Verhältnis viel geringer als früher.

 

Wie ging es in Neuss weiter?

 

Im Jahr 1972 hatte der Umzug dann seinen Namen und es wurden bereits 18 Großwagen gebaut, begleitet von 25 Pfer­den, nicht gezählten Fußgruppen und es spielten 12 Kapellen und Musikzüge.

 

Ernst Schlaak wird den Karneval weiter aktiv prägen. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.

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